Die professionelle Zahnreinigung kann vor Karies und Parodontitis schützen

Die meisten Menschen beherrschen die richtige Zahnpflege aus dem Effeff. Theoretisch. Denn praktisch attestieren Zahnärzte den Deutschen ein eher unterdurchschnittlich gutes Putzverhalten. Vor allem abends, wenn es auf eine besonders intensive Reinigung der Zähne ankommt, sind die Bundesbürger faul: Im Schnitt kümmern sie sich dann 48 Sekunden lang um ihre Zähne. Das ist deutlich zu kurz. Denn so bleiben immer Beläge übrig. Unregelmäßig stehende Zähne und verschieden große Zahnzwischenräume machen es unmöglich, alle Speisereste und Beläge gründlich zu entfernen. Rund 60 bis höchstens 70 Prozent der Zahnoberfläche, schätzen Experten, können mit der Bürste erreicht werden. Deshalb raten Zahnärzte, die Zähne mindestens zweimal pro Jahr vom Profi reinigen zu lassen.

Bei der sogenannten professionellen Zahnreinigung – kurz PZR – entfernt eine eigens dafür ausgebildete Fachkraft, eine sogenannte Dentalhygienikerin, sämtliche Beläge auf den sichtbaren Zahnflächen und in den Zahnzwischenräumen. Dafür werden spezielle Instrumente und Geräte, die zum Beispiel mit Ultraschall arbeiten, verwendet. Das erklärt auch den Titel „professionelle“ Zahnreinigung – solche Möglichkeiten hat der Patient zu Hause nicht.

Sollten schon Anzeichen einer Parodontitis erkennbar sein, können die Zahnfleischtaschen – über die PZR hinaus – gründlich gereinigt werden. Damit wird ein allzu rasches Fortschreiten der Parodontitis verhindert. Mit Instrumenten wie zum Beispiel einem Pulverstrahlgerät können Verfärbungen von Tee, Kaffee oder Nikotin auf den Zähnen beseitigt werden. Die PZR hat also neben dem reinigenden auch einen kosmetischen Effekt. Neben den harten Belägen, dem sogenannten Zahnstein, werden die weichen mithilfe von kleinen Bürsten oder Zahnseide entfernt. Da es Bakterien viel schwerer fällt, sich auf einer glatten als auf einer rauen Oberfläche anzusiedeln, werden die Zähne nach der Reinigung poliert. Auch eventuell unebene Übergänge zu Füllungen und Zahnersatz werden geglättet. Zum Schluss der PZR werden alle Zähne mit einem hochkonzentrierten Fluoridlack oder -gel überzogen, der sie vor Säureattacken der Bakterien schützt. Während und nach der professionellen Zahnreinigung nimmt sich die Fachkraft Zeit, um den Patienten zu allen Fragen der täglichen Mundhygiene zu beraten und Lösungen für die individuelle Mundgesundheit zu finden. Wann ist Zahnseide sinnvoll und wann greift man am besten zu Interdentalsticks? Welche Putztechnik säubert effektiv und schont gleichzeitig Zahnfleisch und Zähne? Welche Mundspülungen sind zu empfehlen?

So wichtig die professionelle Zahnreinigung auch ist: Sie ersetzt keinesfalls die tägliche Zahnpflege, sondern ergänzt sie. Wer schlampiger putzt in dem Glauben, bei der PZR würde sowieso der Hauptteil der Reinigungsarbeiten erledigt, schadet seinen Zähnen. Denn zwischen zwei Terminen beim Zahnarzt haben die Bakterien mehr als genug Zeit, um ihr Werk zu verrichten. Idealerweise liegen zwischen zwei Zahnreinigungen sechs Monate. Besteht ein hohes Parodontitisrisiko, kann es sinnvoll sein, die Abstände eine Zeit lang zu verkürzen. Auch Krankheiten wie Diabetes oder Stress können sich auf die Mundgesundheit auswirken, hier ist gegebenenfalls eine häufigere Reinigung angebracht. Das gilt auch für Menschen, die Medikamente nehmen, die den Speichelfluss verringern. Dadurch steigt nämlich das Risiko, dass sich Karies bildet. Kinder und Jugendliche, die eine Zahnspange tragen und deshalb schlecht an manche Zähne kommen, und Menschen mit empfindlichem Zahnfleisch oder Zahnersatz profitieren ebenfalls von der professionellen Reinigung. Zu der Gruppe, die ihre Zähne am besten alle zwei bis drei Monate regelmäßig reinigen lassen sollte, gehören auch Senioren. Studien haben gezeigt, dass die Mundhygiene mit zunehmendem Alter nachlässt. Das liegt unter anderem daran, dass das Zahnfleisch zurückgeht. Damit vergrößert sich die freiliegende Zahnoberfläche, die Bakterien haben mehr Platz für ihre Angriffe. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft feinmotorische Schwierigkeiten haben, sodass sie nicht mehr so gut mit der Bürste umgehen können. Hier sollte auch darüber nachgedacht werden, ob die Investition in eine elektrische Zahnbürste sinnvoll ist, da diese die nötigen Bewegungen automatisch macht und nur noch an den Zahn gehalten werden muss.

Ein gutes Vollkornbrot mit vielen Körnern und Saaten ist nicht nur gesund für den Körper, es pflegt und schützt auch die Zähne. Es ist ähnlich wie Gemüse sehr faserreich und wirkt daher reinigend und kräftigend. Die raue Oberfläche der Körner funktioniert wie eine Zahnbürste, sie entfernt Beläge schon während des Kauens. Dass Vollkornbrot so intensiv gekaut werden muss, stärkt den Zahnhalteapparat und auch die Kaumuskulatur. Dadurch wird auch der Speichelfluss angeregt. Ein positiver Effekt, denn die Spucke enthält Enzyme, die die schädlichen Säuren im Mund neutralisieren und so Karies vorbeugen.

 

Fruchtmus in Quetschbeuteln ist bei Kindern beliebt und wird von Eltern gern gegeben – im Glauben, dem Nachwuchs damit etwas Gutes zu tun. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde sieht den Genuss von Obstpüree aus dem Beutel allerdings mit Sorge: Bei der Aufnahme des Breis werden vor allem die Frontzähne im Oberkiefer mit der gleichzeitig zuckerhaltigen und sauren Masse umspült. Das fördert den Zahnschmelzabbau und Karies. Zudem ist es wichtig, dass Kinder bereits in jungen Jahren das Kauen üben. Denn eine gut ausgebildete Kaumuskulatur ist eine wichtige Voraussetzung für das Sprechenlernen. Die Warnung gilt übrigens auch für Erwachsene: Smoothies können den gleichen Schaden anrichten.

 

Rund 20 Prozent der Frauen putzen ihre Zähne dreimal am Tag oder häufiger. So viel Enthusiasmus bei der Zahnpflege haben nur 12 Prozent der Männer. Zu dem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov. Demnach greift fast ein Viertel der Männer lediglich einmal täglich zur Zahnbürste, so nachlässig sind nur 15 Prozent der Frauen. Sie gehen mit 40 Prozent zudem häufiger zur professionellen Zahnreinigung als Männer, von denen 30 Prozent sich regelmäßig die Zähne fachgerecht säubern lassen. Keinen Unterschied gibt es bei der Mundspülung: sowohl die Hälfte der Frauen als auch die Hälfte der Männer nutzt eine.

 

Nach mehr als 30 Jahren hat das US-amerikanische Gesundheitsministerium aus seinen Leitlinien die Empfehlung gestrichen, täglich Zahnseide zu nutzen. Es sei nicht hinreichend bewiesen, dass der Faden zwischen den Zähnen dabei helfe, Karies zu verhindern. Dem widersprechen Zahnärzte rund um den Globus mit ihrer Erfahrung: Bei richtiger Anwendung zeige die Zahnseide tatsächlich vorbeugende Effekte, wenn auch nicht unbedingt bei Karies. Die US-Experten räumen ebenfalls ein, dass Zahnfleischentzündungen und -blutungen bei fachgerechter Nutzung minimiert werden können. Auch wenn sie die Wirkung der Zahnseide als Kariesprophylaxe infrage stellen, raten sie dazu, die Zahnzwischenräume täglich zu reinigen – am besten mit Interdentalbürsten.

Foto: mit freundlicher Genehmigung / © / Bildmaterial Kulzer GmbH, Hanau

Zahnersatz kann mit der digitalen 3-D-Drucktechnologie passgenau hergestellt werden. Dafür werden zunächst Kiefer und Zähne digital vermessen. Die Daten werden an eine Software geschickt, die millimetergenau berechnet, wie die Krone oder die Brücke aussehen muss, damit sie perfekt sitzt. Die Informationen werden an den 3-D-Drucker gegeben, der innerhalb weniger Minuten den 
Zahnersatz entstehen lässt.

 

Etwa jedes zehnte Kind im Alter bis zu drei Jahren ist in Deutschland von Milchzahnkaries betroffen. Wird diese Erkrankung zu spät entdeckt und behandelt, kann das zu erheblichen Folgeschäden für das bleibende Gebiss führen. Seit Juli dieses Jahres wird daher die zahnärztliche Vorsorge für Kinder bis zum 6. Lebensjahr stärker gefördert. Im Kinderuntersuchungsheft, dem sogenannten „Gelben Heft“ finden sich ab sofort sechs Verweise vom Kinderarzt zum Zahnarzt in Form von Ankreuzfeldern. Der Zahnarzt soll mögliche Auffälligkeiten im Wachstum von Kiefer, Zähnen und Schleimhaut abklären und Früherkennungsuntersuchungen vornehmen.